Report_19_2_2010_Neue Samariter für Haiti

  • 22.02.2010
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APA0393 5 CI 0391               Siehe APA0241/19.02   Fr, 19.Feb 2010
Katastrophen/Erdbeben/Hilfe/Haiti/Österreich

Haiti-Erdbeben - Samariter nach einem Monat zurück in Österreich
Utl.: Kleines, mobiles Einsatzteam hat mehr als 2.100 Patienten behandelt

Wien (APA) - Die Ankunftshalle am Flughafen Wien in Schwechat war Freitagmittag fest in rot-weißer Hand. Eine beachtliche Delegation des Arbeitersamariterbundes (ASBÖ) wollte es sich nicht nehmen lassen, ihre Kollegen, die einen Monat im Erdbebengebiet Haitis im Einsatz waren, willkommen zu heißen. Die Bilanz der kleinen, mobilen Einheit kann sich sehen lassen: Mehr als 2.100 Bewohner in den entlegenen Bergdörfern rund um Leogane konnten ambulant versorgt werden.

Als sich die Flügeltüren öffneten, fielen sich Zurückgekehrte und Daheimgebliebene in die Arme, begleitet von Blitzlichtgewitter und nervösen Kameraleuten diverser TV-Sender. Die "Helden" wurden umringt von Journalisten und standen erschöpft, aber glücklich Rede und Antwort. Besonders um Andrei Beldimann, den "Rekordhalter", herrschte ein ziemliches "Griss". Er war von Anfang an dabei, als man noch stundenlang über das Flugfeld von Port-au-Prince irrte, um in all dem Chaos das Equipment doch noch zu finden. Er sah noch so manchen Toten, der, halb begraben unter den Trümmern, auf der Straße lag.

Beldimann verbrachte einen Monat im Krisengebiet, schwärmte mit seinen Kollegen täglich aus, um in den entlegenen Regionen der Bebenregion hilfsbedürftige Menschen aufzuspüren, zu denen davor noch keine NGO vorgedrungen war. Anfangs sei es schwierig gewesen, sich gegen all die "Großen", die US-Navy, das Rote Kreuz, die Kanadier, die Japaner, die UN, durchzusetzen. Doch mit der Zeit war das kleine Team dermaßen mobil, flexibel und eingespielt, dass pro Tag bis zu 200 Patienten verarztet werden konnten.

Unter der Leitung eines Notarztes, der von Notfallsanitätern assistiert wurde, konnten sogar chirurgische Eingriffe unter freiem Himmel vorgenommen werden. Häufig wurden Abszesse, Nekrosen, Amputationen, Infektionskrankheiten, Frakturen und Unterernährung behandelt. Man "ordinierte" unter Palmen, auf Müllhalden, auf Schutthaufen, unter Wellblech, auf Pick-ups und rostigen Metallpritschen.

"Es hat sich viel verändert", erzählte Josef Riener, der ebenfalls zwei Wochen dem Haiti-Team des ASBÖ angehörte. Zahlreiche Hilfsorganisationen hätten das Land bereits wieder verlassen, windschiefe Baracken wurden durch moderne Zeltstädte ersetzt, die Dichte an Feldhospitälern nahm nahezu täglich zu. Das Chaos der ersten Wochen verflüchtigte sich langsam, die meisten der fast 900 Hilfsorganisationen hatten ihr Einsatzterritorium abgesteckt und ihren Rhythmus gefunden. Andrei Beldiman und seine Kollegen werden - trotz ihrer beneidenswerten Gesichtsfarbe - die kommenden Tage zur Erholung nützen. Die apokalyptischen Bilder eines völlig zerstörten Landes dürften aber wohl noch lange im Gedächtnis ankern.

(Schluss) trö/gl

APA0393 2010-02-19/14:02

191402 Feb 10

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